FDP Potsdam

Digitaler Neujahrsauftakt am 12.01.2022

Der Potsdamer FDP-Neujahrsauftakt fand mit Professor Udo Di Fabio am 12. Januar 2022 statt. Der spannende Impulsvortrag, die Moderation durch unsere Kreisvorsitzende und Bundestagsabgeordnete Linda Teuteberg und die abschließende Fragerunde mit sehr interessierten und ergänzenden Stellungnahmen, bildeten den idealen Neujahrsauftakt der Freien Demokraten in Potsdam. 

 

 

 

 

Der frühere Richter am Bundesverfassungsgericht erinnerte an einen schleichenden und damit oft übersehenen Verlust traditioneller Gemeinschaftswerte seit einigen Jahren: Kirchen, Familien, Vereine, Gewerkschaften und politische Parteien hätten weniger Bedeutung, durch insgesamt schwindende Mitgliederzahlen und schwindenden Einfluss ihrer Organisationen. Die Aufgabe der politischen Parteien an politischer Willensbildung mitzuwirken, reduziere sich; Empfindlichkeiten müssten mehr berücksichtigt werden. Die Vereinzelung nehme zu, wir würden zu einer Gesellschaft der Singularitäten, der Resonanzraum von Großfamilien fehle. Beziehungsersatz bildeten seit ca. 15 Jahren u.a. die sozialen Netzwerke. Die hier entstehenden neuen Gemeinschaften würden einen politischen Prägeeinfluss hinterlassen, seien aber stimmungsabhängig und volatil. Die Fragmentierung im politischen Raum bei gleichzeitig vorhandenen Resonanz- und Echokammern in den sozialen Medien verstärke eine gesellschaftliche Spaltung, Argumente erfolgten vermehrt aus der jeweiligen ‚Blase‘ heraus. Das Verlangen nach Urteilskraft des einzelnen Menschen nehme ab, die Grundlage des kategorischen Imperativs werde porös, der Staat solle paternalistische Aufgaben übernehmen, was der Vernunft, Eigenverantwortung und Selbstständigkeit des Einzelnen entgegenstehe. Das führe zu einem Paradigmenwechsel, der unser Freiheitskonzept zentral betreffe: Nicht die eigene Urteilskraft zähle, sondern Beeinflussung von außen, Dirigismus, auch Nudging. Anstatt unterschiedliche Meinungen und Sichtweisen zu tolerieren, wünschten sich die Deutschen, was die Freiheit zusätzlich reduziere, Meinungshomogenität. Das führe zu Lagerbildung und Hass und verstärke seinerseits die Konformitätserwartung: Man dürfe Bestimmtes nicht aussprechen, um nicht falsch wahrgenommen zu werden. Dies sei an der Reaktion auf die Corona-Pandemie besonders wahrnehmbar. Der Diskurs müsse neu geführt werden, an dem alle wieder beteiligt werden, die Aufspaltung in „Verrückte“ und „Vernünftige“ überwunden werden kann.

 

 

 

Schreibe einen Kommentar